Die kurze Antwort vorweg
„Alkohol im Blut" ist nicht ein Wert, sondern mindestens vier — und ihre Fenster unterscheiden sich um Größenordnungen:
- Blutalkohol selbst (BAK): Stunden nachweisbar — der Körper baut etwa 0,1 bis 0,2 ‰ pro Stunde ab; bei 1,0 ‰ dauert das grob 7–10 Stunden.
- PEth im Blut: rund 3 bis 4 Wochen nach dem letzten Konsum — der rückblickendste Blutmarker.
- CDT im Blut: Rückblick etwa 2 bis 4 Wochen, steigt aber erst nach rund zwei Wochen täglichen Konsums von 50–80 g an.
- EtG im Serum: zeigt Konsum der letzten ein bis zwei Tage — deutlich länger als der BAK, deutlich kürzer als PEth.
Wenn eine MPU-Begutachtung „Blut" anordnet, meint sie fast immer die Marker (PEth, CDT, Leberwerte) — nicht den kurzlebigen Blutalkohol.
Was im Blut gemessen wird: BAK, EtG, PEth, CDT
Jeder Marker beantwortet eine andere Frage. Deshalb hilft auch kein „Blut spülen" — wer in den letzten Wochen getrunken hat, dem weisen die Marker das nach, selbst wenn der Blutalkohol längst bei 0,0 ist:
| Marker | Was er misst | Rückblick (Richtwert) | Details |
|---|---|---|---|
| BAK (Blutalkohol) | Alkohol selbst, aktueller Rausch | ca. 6–12 Stunden (Menge-abhängig) | Abbau-Rechner |
| EtG im Serum | Abbauprodukt, kürzere Rückblicke | etwa 1–2 Tage | EtG-Rechner |
| PEth | Einlagerung in Zellmembranen, auch Einzelkonsum sensitiv | rund 3–4 Wochen | PEth-Werte-Tabelle |
| CDT | regelmäßiger, höherer Konsum über Wochen | ca. 2–4 Wochen | CDT-Werte-Tabelle |
Diese Seite baut nur die Übersicht — für die Werte-Einordnung jedes Markers gibt es die verlinkten Tabellen. Auch die Leberwerte (GGT, GOT, GPT, MCV) werden im Blut gemessen, sind aber nur ergänzende Hinweismarker.
Nachweiszeiten im Überblick
Die Fenster im direkten Vergleich — alles Richtwerte mit hoher individueller Streuung:
| Frage | Richtwert | Woran es hängt |
|---|---|---|
| Wie lange ist Alkohol (BAK) im Blut? | ca. 6–12 Stunden | getrunkene Menge, Körpergewicht, Abbaurate 0,1–0,2 ‰/h |
| Wie lange EtG im Serum? | etwa 1–2 Tage | Menge, Konsummuster |
| Wie lange PEth im Blut? | rund 3–4 Wochen | Regelmäßigkeit und Menge; Halbwertzeit ≈ 4 Tage |
| Wie lange CDT im Blut? | ca. 2–4 Wochen | steigt erst nach ~2 Wochen täglichen Konsums an; Halbwertzeit ≈ 14 Tage |
Zum Vergleich die anderen Proben: EtG im Urin Stunden bis rund 80 Stunden (Urin-Nachweisfenster), EtG im Haar über Monate (Werte-Tabelle).
Blutentnahme: Ablauf und was vorher gilt
Ob bei der Begutachtung oder im Labor — die Entnahme läuft gleich:
- Ärztliche Entnahme: Blutentnahmen dürfen nur Ärztinnen und Ärzte vornehmen. Die sterile Entnahme dauert wenige Minuten.
- Beschriftung und Versand: Die Probe wird dokumentiert, versiegelt und an das Labor geschickt.
- Laboranalyse: Je nach Fragestellung misst das Labor BAK, PEth, CDT oder die Leberwerte.
- Befund: Das Ergebnis gehört zum Befund der Begutachtung oder zur ärztlichen Diagnostik.
Nüchtern? Für die Entnahme selbst ist Nüchternheit nicht Voraussetzung — und sie ändert an Alkoholwerten nichts: Wer getrunken hat, dem weist die Probe den Konsum nach, nüchtern oder nicht. Umgekehrt bedeutet nüchtern nicht alkoholfrei — Restalkohol vom Vorabend ist auch ohne Frühstück messbar (Promillerechner, Abbau-Rechner).
Was „hämolytisch" oder „lipämisch" im Befund heißt
Wenn im Laborbefund ein Vermerk wie „hämolytisch" oder „lipämisch" steht, ist die Probe selbst das Problem — nicht dein Wert:
- Hämolytisch: Rote Blutkörperchen sind aufgebrochen, ihr Inhalt liegt im Plasma. Das kann Messwerte verzerren und ist einer der häufigsten Gründe für eine Wiederholung. Häufige Ursachen: lange Transportwege, Erschütterung, falsche Lagerung.
- Lipämisch: Das Plasma ist milchig-trüb, meist nach einer fettreichen Mahlzeit. Die optische Trübung kann die Messung stören.
- Was dann passiert: Das Labor kennzeichnet die Probe, und die Stelle entscheidet über eine Wiederholung. Das ist Routine — kein Grund zur Sorge, aber ein Grund, den Termin wahrzunehmen.
Blutprobe bei der MPU-Begutachtung und in der StPO
Blutproben im Alkoholkontext stammen aus zwei völlig verschiedenen Verfahren:
Für deinen MPU-Weg zählt vor allem die Marker-Ebene: PEth, CDT und Leberwerte zeigen, wie dein Konsum der letzten Wochen aussah. Der Blutalkohol selbst spielt nur am Untersuchungstag eine Rolle — und wer abstinent ist, hat dort nichts zu verbergen.
Blut, Urin oder Haar: welcher Test was zeigt
| Probe | Stärkster Marker | Rückblick | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Blut | PEth / CDT | 2–4 Wochen | rückblickende Begutachtung, ergänzende Marker |
| Urin | EtG | Stunden bis ca. 80 Stunden | laufende unangekündigte Kontrollen |
| Haar | EtG | Monate (1 cm ≈ 1 Monat) | längerfristiger Abstinenznachweis |
Welches Verfahren deine Begutachtungsstelle verlangt und wie du den Nachweis organisierst: Abstinenznachweis organisieren.
Was dein Blutwert für die MPU bedeutet
- BAK am Untersuchungstag: Jeder messbare Wert — auch Restalkohol vom Vorabend — wäre am Untersuchungstag ein Problem. Wer abstinent lebt, hat hier nichts zu befürchten.
- PEth über dem Cut-off: deutet auf Konsum in den letzten Wochen hin und gefährdet den Nachweis. Einordnung und Grenzwerte: PEth-Werte-Tabelle.
- CDT erhöht: deutet auf wochenlangen höheren Konsum hin. Einordnung: CDT-Werte-Tabelle. Beide senken sich nur durch echte Abstinenz und Zeit.
Häufige Fragen
Wie lange ist Alkohol im Blut nachweisbar?
Der Alkohol selbst ist im Blut abhängig von der getrunkenen Menge meist nur einige Stunden nachweisbar. Der Körper baut etwa 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde ab; bei 1,0 Promille dauert das grob 7 bis 10 Stunden bis 0,0 Promille. Beschleunigen lässt sich der Abbau nicht — Kaffee, Duschen oder Bewegung helfen nicht.
Was ist der Unterschied zwischen BAK und EtG im Blut?
Der Blutalkoholwert (BAK) misst den Alkohol selbst — er ist nur Stunden nachweisbar und zeigt den aktuellen oder unmittelbar zurückliegenden Rausch. EtG im Serum ist ein Abbauprodukt: Es bleibt deutlich länger messbar und zeigt auch Konsum an, der schon ein bis zwei Tage zurückliegt. Blutalkohol sagt etwas über den jetzigen Zustand, EtG über die zurückliegenden Tage.
Muss ich für die Blutentnahme nüchtern sein?
Für die Blutentnahme bei der MPU-Begutachtung ist Nüchternheit nicht Voraussetzung — der Termin sagt dir vorher, ob du etwas beachten sollst. Anders als beim Essen wird Alkohol im Blut durch Essen nicht „unsichtbar": Wer getrunken hat, dem weist die Probe den Konsum nach, nüchtern oder nicht. Umgekehrt bedeutet nüchtern nicht alkoholfrei — Restalkohol vom Vorabend kann noch messbar sein.
Was bedeutet ‚hämolytisch' im Laborbefund?
Hämolytisch heißt, dass rote Blutkörperchen bei oder nach der Entnahme aufgebrochen sind und ihr Inhalt ins Blutplasma übergetreten ist. Das kann Messwerte verzerren und ist einer der häufigsten Gründe, warum ein Labor die Probe wiederholen lässt. Häufige Ursachen sind lange Transportwege, Erschütterung oder falsche Lagerung. Auch lipämisch (milchig-trüb, oft nach fettreicher Mahlzeit) kann die Auswertung stören.
Wie lange ist PEth im Blut nachweisbar?
PEth ist nach dem letzten Alkoholkonsum in der Regel noch rund 3 bis 4 Wochen im Blut nachweisbar. Der Wert halbiert sich etwa alle vier Tage, die Streuung zwischen Personen ist aber groß. Je regelmäßiger und höher der Konsum, desto später fällt der Wert unter die Nachweisgrenze.
Wer darf bei der MPU Blut abnehmen?
Blutentnahmen dürfen nur Ärztinnen und Ärzte vornehmen — das gilt für die Blutentnahme im Rahmen der MPU-Begutachtung wie für jede andere medizinische Blutentnahme. Die Probe geht an ein Labor; das Ergebnis gehört zum Befund der Begutachtung. Im strafrechtlichen Kontext regelt § 81a StPO die Entnahme von Blutproben durch einen Arzt.
Quellen & weiterführende Stellen
- Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) — Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung
- Beurteilungskriterien (Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung) — Alkoholmarker
- Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), insb. § 13 (Alkohol)
- Strafprozessordnung (StPO), § 81a (Körperliche Untersuchung, Blutproben)
- Widmark-Formel — Abbaurate 0,1–0,2 ‰/h (Grundlage der Rechner)